Gewalt! - Nicht mit uns!
HLJ veröffentlicht Positionspapier zum Thema "Jugend und Gewalt"
Jugendgewalt ist ein gesellschaftliches Problem. Wir verabscheuen jede Form von Gewalt, sei es physischer, psychischer, sexueller oder rassistischer Art. Unser Mitgefühl gilt den Opfern von Gewalt, die Taten sind nicht zu entschuldigen. Für uns setzt der Umgang mit Jugendgewalt vor allem vor und nicht nach der Tat an. Glückliche Kinder und glückliche Jugendliche schlagen nicht!
Multikausale Ursachen
Jugendkriminalität hat für uns nicht nur eine Ursache, sondern entsteht durch eine Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt. Die Verarbeitung der erlebten Realität sowie Persönlichkeitsmerkmale lassen junge Menschen gewalttätig werden. Zu den Umweltfaktoren können familiäre, schulische, mediale, soziale sowie situative Faktoren zählen. Gewaltprävention kann für uns nicht nur einen Faktor bearbeiten, sondern es Bedarf vielfältiger Maßnahmen. Hier sind alle gefragt: Von der Schule, über die Politik bis hin zu uns Jugendverbänden!
Jugendverbandsarbeit ‒ das ist Gewaltprävention
Im Hinblick auf die Freizeitgestaltung fördern Jugendverbände prosoziale
Aktivitäten. Bei uns setzen sich Jugendliche mit Gleichaltrigen, Jüngeren und Älteren auseinander, lernen mit Konflikten umzugehen, schließen gewaltfrei Kompromisse, lernen demokratische Prozesse kennen und übernehmen Verantwortung für sich und andere. Nebenbei erhalten sie noch Anerkennung fernab von Schulleistungen, was die Persönlichkeit und das Selbstbewusstsein prägt.
Schule anders denken - das ist Gewaltprävention
Junge Menschen brauchen in erster Linie Anerkennung. Hier ist die Schule gefragt, in dem sie ihre Lern- und Lehrkultur verändert, in dem sie Über- und Unterforderung vermeidet, individuelle Förderung und Forderung von Kindern und Jugendlichen ermöglicht, die Persönlichkeitsentwicklung und Sozialkompetenzen der SchülerInnen im Auge behält und auf einen partnerschaftlichen demokratischen Umgang setzt. Auch tragen mehr Sport- und Bewegungsangebote zum Aggressionsabbau (Bewegte Pause) bei.
FSK ausreichend - Verbote sind nur die „halbe Miete“ Gewaltprävention
Kinder‒ und Jugendliche werden durch Verbote nicht vom Konsum altersbeschränkter Filme und Videospiele abgehalten. Die FSK-Empfehlungen sind wichtig und notwendig, jedoch in unseren Augen ausreichend. Wir setzen parallel auf das Erlernen eines reflektierten Medienkonsums, realisiert durch Schule und durch Angebote von Jugendhilfeträgern. Wir setzen weiterhin auf Eltern, Angehörige, Lehrer, Freunde und Pädagogen, die den Medienkonsum ihrer Kinder, Freunde, Schüler und Teilnehmer begleiten, kontrollieren und besprechen.
Die Aufwachsbedingungen verbessern - das ist Gewaltprävention
Das direkte Lebensumfeld hat einen enormen Einfluss auf die Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen. Wir wollen, dass diese Aufwachsbedingungen, sozusagen als Präventionsmaßnahme, verbessert werden. Ein glücklicher und gesunder Heranwachsender schlägt nicht. Wir fordern daher Perspektiven für Heranwachsende in Punkto Ausbildung und Arbeit, ausreichend Spiel‒ und Treffpunkte in der nahen Wohnumgebung, die Verhinderung von sozialen Brennpunkten, einen beitragsfreien Kindergartenplatz, ausreichend Wohnraum sowie ein eigenes Zimmer für jedes Kind, die notwendigen finanziellen Mittel zum Leben, Perspektiven für die Eltern und professionelle Unterstützung in Fragen der Erziehung und des Aufwachsens.

