Hessens Landjugend auf der Grünen Woche
Vom 15.-19. Januar besuchten insgesamt knapp 100 Jugendliche aus ganz Hessen die Internationale Grüne Woche in Berlin.
Neben dem klassischen Programm mit Podiumsdiskussionen und Messebesuch war der Auftritt der Gruppe aus Wirmighausen beim großen Landjugendball ein besonderer Höhepunkt der Fahrt.
Am Freitag starteten die jungen Hessen mit dem Bus in Richtung Berlin. Nach der Ankunft stand der Freitagabend zu freien Verfügung.
Am Samstagvormittag erwartete die Jugendlichen in der Stadtmitte eine Führung durch die „Berliner Unterwelten“. Dabei handelte es sich nicht um die Kanalisation (wie einige Teilnehmer gemunkelt hatten), sondern um Bunkeranlagen aus der Zeit des Kalten Krieges, die im Bedarfsfall auch heute noch genutzt werden könnten. Einer der Bunker liegt zwischen der Oberfläche und einem U-Bahn-Schacht und wurde im Zuge der Erbauung der U-Bahn in den 40er Jahren mitgeplant. Besonders interessant war bei der Führung eine auf den ersten Blick normale U-Bahn-Station, die im Bedarfsfall zu einer Bunkeranlage für 3.400 Menschen umfunktioniert werden kann. Ein- und Ausgänge sowie Tunnel können luftdicht mit Stahltoren verschlossen werden. Ganze U-Bahnen würden vorher hinein gefahren werden und so Sitzgelegenheiten bieten. Die Landjugendlichen besichtigten die zur Bunkeranlage gehörende Notküche, die sanitären Anlagen, die Personenschleuse und einen Sanitätsraum, die Schutzsuchenden bis zu 14 Tagen Sicherheit gewähren könnten.
„100 Tage nach der Bundestagswahl“ – Politik von Jugend für Jugend hieß es beim BDL-Jugendforum im Internationalen Congress Centrum Berlin (ICC). BDL-Bundesvorsitzender Gunther Hiestand begrüßte gemeinsam mit der stellv. Bundesvorsitzenden Katrin Biebighäuser, ehemalige Landesvorsitzende aus Hessen, die jüngsten Bundestagsabgeordneten der Fraktionen Sven-Christian Kindler (Bündnis 90/Die Grünen), Daniela Kolbe (SPD) und Prof. Dr. Erik Schweickert (FDP). Die fünf diskutierten mit ca. 150 Landjugendlichen über aktuelle Herausforderungen in der Politik, gaben einen Einblick in ihre persönlichen Beweggründe, in die Politik zu gehen und berichteten über den turbulenten Einstieg als neue Bundestagsabgeordnete in Berlin. In der angeregten Diskussion äußerten sich die drei Politiker zu bildungspolitischen Fragen sowie zu Möglichkeiten der Jugendbeschäftigung und zu europapolitischen Entscheidungen. Auch der Koalitionsvertrag, das Wachstumsbeschleunigungsgesetz und die Föderalismusfrage führten zu vielen Fragen aus dem Publikum. Das Plenum signalisierte großes Interesse an den aktuellen politischen Entwicklungen und an den Ideen der Abgeordneten, wie Deutschland gestärkt aus der Wirtschafts- und Finanzkrise gelangen kann. „Die Kulisse des Internationalen Congress Centrums ist schon beeindruckend, aber dann noch mit Bundestagsabgeordneten per „Du“ aktuelle Entwicklungen zu diskutieren fand ich noch eine Steigerung“, so einer der zehn hessischen Teilnehmer im Anschluss an das Jugendforum.
Am Abend ging es für die hessische Gruppe zur großen Fete nach Treptow, wo mehrere tausend Landjugendliche aus ganz Deutschland gemeinsam feierten. Viele bekamen in dieser Nacht nicht genügend Schlaf – trotzdem ging es am Sonntagmorgen mit der Kulturveranstaltung des BDL gleich weiter im Programm. Die Bundesvorsitzenden zogen bei ihrer Begrüßung ein Fazit aus dem vergangenen Landjugendjahr und führten Gespräche zu Themen, die die Landjugend bewegen. Mit prominenten Gästen wie Ilse Aigner und Gerd Sonnleitner stellten sich ebenso der Diskussion wie der Baden-Württembergische Landwirtschaftsminister Peter Hauk und Margret Vosseler vom Deutschen Landfrauenverband. Die Landjugend Südbaden führte ein eigens für die Grüne Woche geschriebenes und einstudiertes Theaterstück mit dem Titel „Lisa und das Geheimnis der Telefonzelle“ auf. Am Sonntagnachmittag besuchten einige Mitgereiste das Musical „Dirty Dancing“, mit einem gemeinsamen Abendessen klang der Sonntag aus.
Den Montag nutzten viele Landjugendliche zum Besuch der Messe, andere besichtigten die Stadt. Den landwirtschaftspolitisch Interessierten stand der Besuch des Junglandwirtekongresses des BDL offen. Thema war „Nicht ohne… Verbraucher, Märkte, Preise und uns JunglandwirtInnen“. Gunter Hiestand, Bundesvorsitzender der Landjugend, verdeutlichte bei seiner Begrüßung die Situation junger Landwirte in Deutschland, die sich als gut ausgebildete junge Unternehmerinnen und Unternehmer den Herausforderungen der aktuellen Entwicklungen auf den Agrarmärkten stellen wollten, gleichzeitig aber auch mit der Situation konfrontiert seien, dass die Verbraucher in Deutschland immer weniger bereit seien, Geld für Lebens- und Nahrungsmittel auszugeben. Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner gratulierte der Landjugend in diesem Zusammenhang für die clevere Kampagne „(B)isst du billig?“, die bei Einkaufenden Denkanstöße geben soll. In einem Referat zur „Zukunft auf den Märkten“ ging der Geschäftsführer der AMI Manfred Rinderer auf die jüngsten Marktentwicklungen ein und gab dabei den Junglandwirten mit auf den Weg, dass sich immer auch ein Blick über den Tellerrand lohne. In der anschließenden Diskussion, an der auch ein Wirtschaftspsychologe und Vertreter des Einzelhandels teilnahmen, wurde deutlich, wie schwierig es ist, den Verbraucher in seiner Kaufentscheidung zu beeinflussen. Für die Vertreter des Einzelhandels war unumstößlich klar, dass in den allermeisten Fällen der Preis das entscheidende Kaufkriterium sei. Anderweitige Kaufentscheidungen herbeizuführen bedürfe eines immensen Marketings und vor allem guter Bilder, pflichtete der Wirtschaftspsychologe bei. Für die Landjugendlichen war am Ende der Diskussion klar, dass ein Umdenken bei den Verbrauchern erforderlich ist. Unklar blieb jedoch, wie dies herbei geführt werden kann. Aktionen wie Tage des offenen Hofes oder wie die Kampagne „(B)isst du billig?“, an der sich Verbände aktiv beteiligen, könnten ein richtiger Schritt auf einem sehr, sehr langen Weg sein.
Für Hessens Landjugendliche bildete am Montagabend der Besuch des großen Balls den Abschluss der Fahrt. Aus dem waldeckischen Wirmighausen war eine Tanzgruppe der Landjugend angereist, die eine Showeinlage darbieten durfte. Mit Volkstänzen, die zu Heavy-Metal-Musik vorgetragen wurden, ernteten die Wirmighäuser frenetischen Applaus. Außerdem hatten die Jugendlichen einen irischen Tanz einstudiert, mit dem sie die etwa 3.000 Besucher des Balls begeisterten. Erschöpft und zufrieden traten die hessischen Landjugendlichen nach fünf Tagen die Heimreise an und für alle war klar: „2011 kommen wir wieder zur Grünen Woche nach Berlin!“


