„Strahlst Du noch oder lebst Du schon?“

Donnerstag, 08. Dezember 2011

Deponieleiter Thomas Klinkig (1. v. r.) erklärt im Mai den Anwesenden die Funktionsweise der Agrogasanlage des Deponieparks Brandholz. AK-Leiter und Landesvorsitzender Henrik Schmidtke sowie Gastreferentin Prof. Dr. Martina Klärle (6. und 5. v. r.) hören aufmerksam zu.

Im August erarbeiten die AK-Jugendpolitik-Teilnehmer in Groß-Bieberau gemeinsam Problemlagen der Energiegewinnung und beziehen sich dabei unter anderem auf das Positionspapier der Junglandwirte vom 22. Juni.

AK-Leiter und Landesvorsitzender Henrik Schmidtke (Mitte) mit den Gastreferenten des AK JuPo in Naumburg am vergangenen Donnerstag, Andreas Schneider von e.on Mitte (rechts) und Martin Kreutz von den Stadtwerken Wolfhagen GmbH (links).

Die AK-JuPo-Tournee 2011 durch die Landjugendgruppen

In der vergangenen Woche ging mit der letzten Sitzung 2011 in Naumburg für den Arbeitskreis Jugendpolitik der Hessischen Landjugend ein ereignisreiches Jahr zu Ende. Zum ersten Mal „tourte“ der AK JuPo durch verschiedene Landjugendgruppen in ganz Hessen. In Wehrheim, Groß-Bieberau, Schönborn (Schwalm) und Naumburg machte er Station und hatte seit Mai das Thema des Jahres im Gepäck, das auch die Landjugend nicht kalt ließ: die Energiepolitik nach der Atomkatastrophe von Fukushima.

Wie alles begann: Die Vorgeschichte
Am 11. März 2011 erschüttert ein starkes Beben Japan und löst einen Tsunami aus. Die Atomkatastrophe von Fukushima nimmt ihren Lauf. In Deutschland und aller Welt beginnen Debatten um das Restrisiko von Kernkraft. Und auch die Hessische Landjugend greift die Diskussion auf – das Jahresthema des AK JuPo ist geboren!
„Strahlst Du noch oder lebst Du schon – Die LaJu unter Strom! Atomkraft vs. Erneuerbare Energien – Und was sagt Ihr dazu?“ soll das Motto der nächsten Sitzungen lauten.

Wehrheim, 5. Mai: Die Sitzung auf der Mülldeponie
Zum Einstieg ins Thema wählte AK-Leiter und Landesvorsitzender Henrik Schmidtke als Veranstaltungsort den Deponiepark Brandholz der Firma Rhein-Main-Deponie GmbH bei Neu-Anspach. Deponieleiter Thomas Klinkig referierte zunächst über das Unternehmen, indem er unter anderem Gesellschafterstrukturen, Geschäftsfelder, Versorgungskapazität und Geschichte der Deponie Brandholz sowie die Vertragsgestaltung zwischen Landwirten, RMD GmbH und Energieversorgungsunternehmen vorstellte. Anschließend hatten die zahlreichen Teilnehmer bei der Führung über das Gelände Gelegenheit zur Besichtigung der Agrogasanlage.
Eine weitere Gastreferentin war von der FH Frankfurt geladen: Prof. Dr. Martina Klärle, Leiterin des Forschungsprojekts „ERNEUERBAR KOMM“. Sie informierte die Zuhörer in einem ersten Teil über allgemein Wissenswertes rund um die Energieversorgung in Deutschland und der Welt. In einem zweiten Teil präsentierte sie ihr Projekt, das zum Gegenstand hat, für jede Fläche in Deutschland auf der Grundlage von Geobasisdaten wie Infrastruktur, Flächennutzung, Gefälle der Fließgewässer etc. das Potenzial zu analysieren, das die einzelnen Flächen jeweils für die Energieerzeugung mittels Erneuerbarer Energien haben. Für ein Modellgebiet in Südhessen liegen Ergebnisse vor.

Groß-Bieberau, 11. August: Und jetzt…?
Was der AK JuPo in Wehrheim begonnen hatte, setzte er in Groß-Bieberau fort: eine Auswertung der Sitzung im Mai mit Bezugnahme auf das zwischenzeitlich erschienene Positionspapier der Junglandwirte. Denn als unmittelbar Betroffene beschäftigen auch die sich mit dem Thema. Am 22. Juni ging daher ein Positionspapier der Junglandwirte zum Erneuerbare-Energien-Gesetz raus, in dem sie vor allem eine stärkere Förderung kleiner Biogasanlagen fordern. Die „jugendpolitische Ergänzung“ dieses Schreibens im August hatte nachstehende Ergebnisse zur Folge – und damit weisen die AK-JuPo-Teilnehmer auf wichtige Problemlagen hinsichtlich der Energiegewinnung hin:
• Es gibt noch keine Generallösung, um die Atomkraft vollständig ersetzen zu   
  können.
• Energiegewinnungsmethoden aus Erneuerbaren Rohstoffen müssen
   optimiert werden.
• Bis heute ist keine optimale Form der Energiespeicherung bekannt.
• Stromproduktion muss nach Bedarf erfolgen, intelligente Technologien und
   verschiedene Energieerzeugungsarten müssen optimal genutzt werden.
• Optimierungsmöglichkeiten werden von Wirtschaft und Politik zum Teil nicht
   genutzt oder gewollt.
• Großabnehmer werden im Stromverbrauch bezuschusst, Privatverbraucher
   zahlen drauf.
• Es mangelt an finanziellen Anreizen zum Erwerb von stromsparenden
  Geräten.
• Fehlende Vernetzung von kommunalen und überregionalen Behörden
   bezüglich der Umsetzung und Unterstützung beim Stromsparen und der
   Energiegewinnung aus Erneuerbaren Rohstoffen.
• Ein flächendeckender Ausbau der Stromnetze ist längst überfällig
• Kritik am Flächenverbrauch für Biogas, zudem wird potentielle Nahrung
   verbraucht.
Über diese Punkte strebten die AK-Teilnehmer eine Diskussion mit
einem Politiker an.

Schönborn, 29. September: Von der regionalen bis zur EU-Ebene
Gesagt – getan: Der AK JuPo setzte gleich seinen Vorsatz um und lud 
Martin Häusling von B’90/Die Grünen, Mitglied des Europäischen Parlaments und Koordinator für Greens/EFA im Agrarausschuss, zu einem Gespräch in die Schwalm ein, bei dem die Erkenntnisse der Sitzungen im Mai und August diskutiert wurden. Eckpunkte des Abends mit Häusling waren daher unter anderem das „(Rest-)Risiko“ der Atomenergie, der Nutzen von Deutschlands Alleingang beim Atomausstieg und der Vorreiterfunktion Deutschlands, Pro und Contra von Offshore-Windkraftanlagen und die in der Windkraft schlummernden Potentiale, die allgemeine Entwicklung vom Land- zum Energiewirt sowie energiepolitische Beschlüsse der EU.

Naumburg, 1. Dezember: Abschluss eines energiepolitisch bewegenden Jahres
Am vergangenen Donnerstag knüpfte der AK wiederum an die vorangegangenen Sitzungen an und nutzte die Gelegenheit, zum Jahresabschluss zwei Gastreferenten vom Energiemarkt rund um Naumburg zum Thema zu befragen. Andreas Schneider vertrat e.on Mitte, Martin Kreutz die Stadtwerke Wolfhagen GmbH.
Kreutz referierte über Planung und Umsetzung von Energieeinsparungen der Stadtwerke Wolfhagen nach den Vorgaben der Bundesregierung, die vorsieht, bis 2050 mit Erneuerbaren Energien 80 % der Stromversorgung abzudecken. Dies hat ebenso Folgen für den Stromnetzausbau, die Schneider in seinem Vortrag darlegte, denn er informierte die Zuhörer über die Auswirkungen der erhöhten regenerativen Energieeinspeisung auf das Verhalten im Versorgungsnetz (von e.on Mitte). Mit einer offenen Fragerunde endete ein interessantes AK-JuPo-Jahr 2011 mit einem spannenden und aktuellen Thema. „Die Konzeption der JuPo-Tour durch Hessen wird 2012 beibehalten, daher freue ich mich auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Wir kommen wieder!“, so AK-Leiter Schmidtke zum Abschluss.

Der AK JuPo 2012: Ein Ausblick
Im nächsten Jahr wird es daher ebenfalls einen roten Faden auf der JuPo-Tournee durch vier Landjugendgruppen geben: Ehrenamtliches Engagement und alles, was dazu gehört, wie Mitgliedergewinnung, kommunale Jugendpolitik, Ganztagsschule etc. Der AK JuPo trifft sich 2012 am 21.03. in Friedberg, am 05.06. in Wetzlar, am 06.09. in Böhne und am 04.12. im Vogelsberg. Vom 22.-24.10.12 findet die JuPo-Fahrt „Bembel & Baguette“ nach Straßburg statt. Alle Interessierten sind wie immer herzlich eingeladen teilzunehmen. Nähere Infos und Anmeldung unter Tel. 06031/794611, info@hessische-landjugend.de oder auf www.hessische-landjugend.de.

Von: HLJ

Rubrik(en): Jugendpolitik