Verbraucherpreise auf dem Prüfstand

Dienstag, 19. Juni 2012

Fotos: HLJ, Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion am 5. Juni (v. l.): Hendrik Garvert von der Universität Gießen, Moderator Lars Rüddenklau (Landesvorstand HLJ), Peter Klingmann von der Marketinggesellschaft, Moderator Lars Döppner (Landesvorstand HLJ), Ulrich Zick (Junglandwirt) und Anne Mitschulat vom DHB Netzwerk Haushalt Hessen.

Kinderschminken hat bei der Landjugend bereits Tradition und macht den Standbetreuern viel Spaß

Im Maischwimmbad konnten sich die Kleinsten austoben und entspannen gleichzeitig

Unter dem Motto „B(isst) du billig?- Junglandwirte und Verbraucher im Gespräch über Verbraucherpreise“ diskutierten geladene Podiumsgäste zusammen mit Landjugendlichen und Besuchern auf dem Hessentag in Wetzlar. Zu Gast in der Strohlounge der Hessischen Landjugend e. V. waren Junglandwirt Ulrich Zick, Peter Klingmann von der Marketinggesellschaft „Gutes aus Hessen“, Hendrik Garvert vom Institut für Agrarpolitik und Marktforschung der Universität Gießen sowie Anne Mitschulat vom DHB Netzwerk Haushalt.

Moderiert wurde die gemeinsame öffentliche Sitzung von Agrarausschuss und Arbeitskreis Jugendpolitik von zwei Vertretern der beiden Bereiche aus dem Landesvorstand der Hessischen Landjugend: Lars Döppner und Lars Rüddenklau. Die Eingangsfrage des Moderatorenteams ging an Herrn Garvert und ebnete gleich den Weg für eine angeregte und in die Tiefe gehende Diskussion. Sie betraf die Relevanz der aktuell bei Verbrauchern stark nachgefragten regionalen Produkte. Laut Garvert sei diese gesteigerte Nachfrage grundsätzlich erkennbar, doch problematisch sei hier, dass der Begriff „regional“ nicht genau definiert sei.

Regional vor Bio

Konsens bei den Diskussionsteilnehmern bestand in dem Punkt, dass regionale Produkte beim Betrachten der Ökobilanz den „Bioprodukten“ aus der Ferne in jedem Fall vorzuziehen seien. Frau Mitschulat sagte hierzu, dass der Verbraucher kaum zwischen „bio“ und „regional“ unterscheide, aber grundsätzlich gewillt ist, für ein gutes Produkt auch mehr zu zahlen. An dieser Stelle wies Herr Klingmann darauf hin, dass regionale Produkte nicht zwingend teurer sein müssen, da die Transportkosten geringer seien und lange Vermarktungswege entfallen. Ob jedoch durch die Vermarktung auf regionaler Ebene den Landwirten ein wirtschaftlicher Vorteil entsteht, blieb unbeantwortet.

Weniger Einkommen für Lebensmittel

Das Grundproblem auf dem Lebensmittelmarkt in Deutschland sei die geringe Wertschätzung der landwirtschaftlichen Produkte, die, wie sich alle einig waren, gerade in Deutschland nach sehr hohen Qualitätsstandards produziert werden. Dabei gab Herr Garvert nochmals zu Bedenken, dass aktuell nur etwa 10% des Einkommens der Deutschen für Lebensmittel aufgewendet würden und ein Trend eher noch dahingehend zu erkennen sei, dass sich dieser Anteil in Zukunft weiter verringern könnte. Diese Tatsache machte Herrn Zick als Vertreter der Junglandwirte Sorgen, da die Verdienstspanne bei der landwirtschaftlichen Produktion ohnehin schon sehr gering sei und eine Abpufferung durch gesteigerte Produktivität nur in geringem Maße möglich sei.

Mehr Bezug zu den Lebenmitteln

Begleitend zum Thema „(B)isst du billig?“ konnten die Besucher am Stand der Hessischen Landjugend e. V. am Beispiel einiger Produkte schätzen, was etwa Mehl, Milch oder Eier aktuell eigentlich kosten und sich so bewusst machen, wie wenig unsere Lebensmittel in Deutschland wertgeschätzt werden. Auffallend hierbei war, dass viele Verbraucher nicht wussten, was die ausgestellten Grundnahrungsmittel kosten und sich bis dato auch keine Gedanken darüber gemacht hatten. Diese Tatsache bestärkte auch Frau Mitschulat nochmals darin, dass dem Verbraucher durch Schulungen wieder mehr Bezug zu unseren Lebensmitteln vermittelt werden muss, um auch für unsere heimische Landwirtschaft mehr Akzeptanz zu erreichen. Gemeinsames Fazit der Diskussionsrunde blieb letztendlich das Anliegen aller an den Verbraucher und die Wirtschaft, mit Lebensmitteln bzw. den Produkten unserer Landwirte bewusst und wertschätzend umzugehen.

Maisschwimmbad und Jugendlounge

Neben spannenden und informativen Gesprächen in der Jugendlounge der Hessischen Landjugend kamen aber auch die jüngsten Hessentagsbesucher voll auf ihre Kosten. Im Maisschwimmbad konnten die Kinder haptisch erfahren wie sich Mais auf der Haut anfühlt, das Futtermais nicht gleich Zuckermais bzw. Grillmais ist und das man wunderbar im Mais entspannen kann. An den diversen Melkkühen und –ziegen konnten sich die Kleinsten im landwirtschaftlichen Berufsfeld ausprobieren und mit den Tretschleppern die Gegend um den Landjugendstand zur Rennstrecke machen. Auch die Buttonmaschine fand großen Anklang und bei strahlendem Sonnenschein wurden die Gesichter der Kinder zu Schmetterlingen, Tigern, Kühen oder Schweinchen geschminkt. Auf der Strohlounge nahmen nicht nur Gesprächsrunden platz, auch Hessentagsbesucher, Minister und Ministerinnen sowie Landtagsabgeordnete nutzten die bequeme Sitzgelegenheit für eine Entspannungsphase und suchten das Gespräch mit den Landjugendlichen.

Landjugend ist engagiert

Der Stand auf dem Hessentag stand unter dem Motto „Ä(E)hrensache-Landjugend ist engagiert und wurde an den 10 Tagen von 10 verschiedenen Landjugendgruppen betreut. „ Uns ist es wichtig Präsenz zu zeigen auf dem größten Fest der Hessen und Landjugend bekannter zu machen“ so Henrik Schmidtke zum Motiv der Teilnahme. Sehen und Gesehen werden ist auch für einen Jugendverband von Bedeutung und mit über 1000 verschenkten Luftballon, geschätzten 2000 verteilten Flyern und Aufklebern und unendlichen vielen Gesprächen über Landjugend und Landwirtschaft war die Beteiligung am Hessentag ein Erfolg. Das der Empfang des Hessischen Bauernverbandes am Eröffnungstag im Zelt der Hessischen Landjugend stattfand und dieser als Untermieter zeitweilig einzog,  ehrte die Landjugendlichen und motivierte zum Durchhalten.

Von: HLJ

Rubrik(en): Agrar, HLJ